Neue Mitte Tempelhof – die grüne Bibliothek

Planung für das Stadtumbaugebiet "Neue Mitte Tempelhof". Vorlage: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen. Foto: K. SchwahlenWenn das Götzstraßenquartier umgebaut wird, soll die Bezirksbibliothek (BZB) aus dem Eva-Maria-Buch-Haus an den Te-Damm  umziehen. Wie viel Ökologie und Nachhaltigkeit beim Neubau einer Bibliothek machbar ist, hat sich unser Autor Stephan Mast gefragt – und den BZB-Workshop im Mai besucht.

Vor rund 30 Besucherinnen und Besuchern skizzierte Dr. Petra Hauke vom Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität Berlin die zeitgemäßen Möglichkeiten zum Bau, Betrieb und Ausstattung sogenannter grüner Bibliotheken.

Der Weltverband der Bibliotheken (IFLA) hat das Thema Nachhaltigkeit schon länger in seinen Fokus genommen. Die per se nachhaltige gemeinschaftliche Nutzung der in Bibliotheken zur Verfügung gestellten Materialien ( „share economy“) wird mit der Checkliste in der Anlage auch auf Nachhaltigkeit bei Bau, Ausstattung und Betrieb der Bibliotheken erweitert.

Gute Beispiele  gibt es längst

Blick in die Bezirksbibliothek im Eva-Maria-Buch-Haus in Tempelhof ©K. Schwahlen

Jährlich vergibt die IFLA die Auszeichnung „Green Library Award“ an Bibliotheken und ihre Projekte, die sich in besonderem Maße dem Thema Umwelt, Nachhaltigkeit oder Förderung der Nachhaltigkeitsziele der UN-Agenda 2030 widmen.

Anhand mehrerer Beispiele illustrierte Dr. Hauke die Möglichkeiten für Bibliotheksneubauten, die sich aus der Nachhaltigkeit ergeben. Dafür stellte sie mehrere Modelle vor, die vom Philologischen Institut der FU Berlin über Bad Oldesloe, Singapur und das australische Cockburn reichten.

Bürgerbeteiligung ist mehr

So soll es werden im Bezirk Tempelhof. Ausstellung in der Bezirksbibliothek im Eva-Maria-Buch-Haus ©K. SchwahlenDie anschließende Diskussionsrunde war sehr angeregt. Die Besucher*innen machten zahlreiche Vorschläge für den Neubau. Sie wünschen sich eine Bibliothek, die

– barrierefrei ist
– Cafe und Dachterasse hat
– geschützt ist vor Lärm des Te-Damms
– gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln, aber auch Fahrrad und Kinderwagen zu erreichen
– mehr Plätze für ruhiges Arbeiten vor Ort bietet
– Erhalt eines erlebbaren Grün-Bezuges zum Park

Und ein weiterer wichtiger Punkt wurde deutlich: Bürgerbeteiligung soll und darf sich nicht darin erschöpfen, Ideen und Vorschläge äußern können. Bürgerbeteiligung braucht Zeit und Raum. Und sie soll auch Rückmeldung von Verwaltung und  Planern bekommen, in welchem Maße die Ideen und Vorschläge berücksichtigt werden können und wenn nicht, warum nicht.

Von der Abstimmung in die Werkstatt

Gut erleuchtet: Bezirksbibliothek im Eva-Maria-Buch-Haus in Tempelhof ©K. Schwahlen

Dr. Boryano Rickum, Leiter der Tempelhof-Schöneberger Stadtbibliothek, und Kulturstadträtin Jutta Kaddatz erklärten hierzu, dass zur Zeit Abstimmungsgespräche  zwischen der Bibliothek und der für das Gebiet der Neuen Mitte zuständigen Gebietsbeauftragten, Heike Pfeiffer, stattfinden. In diesen Gesprächen sollen die räumlichen und funktionalen Vorgaben der Bibliothek (zB. mehr Arbeitsplätze für Nutzer, Flächen für VHS, Musikschule, Cafe und Veranstaltungen) formuliert werden. Anschließend soll in einem Werkstattverfahren die Bürgerbeteiligung erfolgen.

Es bleibt abzuwarten, inwiefern sich der Bürgerwunsch nach Rückmeldung in diesem Werkstattverfahren auch umsetzen lässt.

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